Die Bestimmung von Satzgliedern in einfachen Aussagesätzen, z.B. Willi fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit., ist einfach: Mit Hilfe der Verschiebeprobe ermittelt man, welche Elemente im Satz gemeinsam vor das finite Verb verschoben werden können, im Beispiel sind das neben Willi die Elemente mit dem Fahrrad und zur Arbeit. Funktioniert für diese Elemente auch die Ersatzprobe, handelt es sich um Satzglieder: Willi kann durch er, mit dem Fahrrad durch damit und zur Arbeit durch dorthin ersetzt werden. Wie funktionieren die grammatischen Proben aber in Sätzen, in denen das finite Verb nicht an zweiter Stelle steht, also z.B. in eingeleiteten Nebensätzen mit Verbletztstellung?

Schauen wir uns dafür zunächst einen Beispielsatz an:

Willi wusste bisher nicht, wie man in eingeleiteten Nebensätzen Satzglieder ermittelt.

Dieses Satzgefüge enthält neben dem Hauptsatz Willi wusste bisher nicht einen Nebensatz erster Ordnung wie man Satzglieder in eingeleiteten Nebensätzen ermittelt, dieser steht in Verbletztstellung (VL-Stellung). In Sätzen mit VL-Stellung funktioniert die Umstellprobe nicht, da das Einleitewort, hier das Relativadverb wie, nicht verschoben werden kann:

*in eingeleiteten Nebensätzen wie man Satzglieder ermittelt

 Ebenso können die Elemente im Mittelfeld (oft) nicht verschoben werden:

*wie in eingeleiteten Nebensätzen man Satzglieder ermittelt (allenfalls können in diesem Satz in eingeleiteten Nebensätzen und Satzglieder die Position wechseln, die Stellung von man kann nicht verändert werden: wie man Satzglieder in eingeleiteten Nebensätzen ermittelt)

Um die Umstellprobe in Nebensätzen durchführen zu können, kann man diese – auf einem Notizblatt oder im Kopf – in Sätze mit Verbzweitstellung (V2-Stellung) umformen. Bei Relativsätzen bleibt hierbei das Relativwort erhalten: Relativadverbien werden zu Demonstrativadverbien (wie wird zu so, woher wird zu daher, wo wird zu dort usw.), Relativpronomen werden zu Personalpronomen (der wird zu er, dem wird zu ihm, die wird zu sie usw.) oder Possessivpronomen (dessen wird zu sein(e), deren wird zu ihr(e) usw.). Unser Beispielsatz wird in V2-Stellung zu folgendem Satz:

So ermittelt man Satzglieder in Nebensätzen.

Das Relativadverb wie wurde zum Demonstrativadverb so, das finite Verb ermittelt ist von der letzten an die zweite Stelle im Satz verschoben worden. In diesem neu gebildeten V2-Satz kann die Verschiebeprobe durchgeführt werden:

  • Man ermittelt Satzglieder in Nebensätzen so.
  • In Nebensätzen ermittelt man Satzglieder so.
  • Satzglieder ermittelt man in Nebensätzen so.

 Die vier erststellenfähigen Elemente lassen sich auch jeweils als Ganzes ersetzen (so > auf diese Weise, man > Willi, in Nebensätzen > dort, Satzglieder > sie: Auf diese Weise ermittelt Willi sie dort.), sind also Satzglieder. Natürlich ist das Satzglied in unserem Beispielsatz nicht das Demonstrativadverb so, sondern das Relativadverb wie, alle anderen Satzglieder entsprechen 1:1 den Satzgliedern in unserem umgeformten (V2-)Satz.

Analog funktioniert die Satzgliedbestimmung in Nebensätzen, die mit Subjunktionen (dass, wenn, weil usw.) eingeleitet sind. Allerdings fällt die Subjunktion im neu gebildeten V2-Satz heraus (Subjunktionen sind nicht satzgliedwertig; Informationen zur Unterscheidung von Subjunktionen und Relativwörtern findet ihr in diesem Blog-Artikel). Hierzu ein weiterer Beispielsatz:

Jetzt weiß Willi, dass das eigentlich ganz einfach ist.

Dieses Satzgefüge enthält neben dem Hauptsatz Jetzt weiß Willi einen Nebensatz erster Ordnung, der in VL-Stellung steht und durch die Subjunktion dass eingeleitet wird: dass das eigentlich ganz einfach ist. Um diesen in einen V2-Satz umzuformen, lässt man die Subjunktion weg und verschiebt das finite Verb, in diesem Fall ist, von der letzten an die zweite Stelle, also hinter das erste (potentielle) Satzglied:

Das ist eigentlich ganz einfach.

Nun kann wiederum die Verschiebeprobe durchgeführt werden:

  • Eigentlich ist das ganz einfach.
  • Ganz einfach ist das eigentlich.

Die drei erststellenfähigen Elemente können jeweils als Ganzes ersetzt werden (eigentlich > wahrscheinlich, hoffentlich o.Ä., das > das Bestimmen, ganz einfach > so: Wahrscheinlich ist das Bestimmen so.), der Satz enthält also drei Satzglieder: eigentlich, das und ganz einfach.

Ganz einfach, oder? 😉 Falls euch der Artikel gefallen hat oder ihr Fragen oder Anmerkungen habt, würden wir uns sehr über einen Kommentar freuen.

Literatur:

Zu den grammatischen Proben: Zimmermann, Claudia: Systemstrukturen des Deutschen. 2. Auflage. Würzburg 2015, S. 6 ff. (online unter: https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/files/11915/Zimmermann_Systemstrukturen_WespA11_2Aufl.pdf, aufgerufen am 13. September 2017)

 

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