Verben können Ergänzungen in einem bestimmten Kasus fordern, z.B. fordert das Verb lesen eine Ergänzung im Nominativ und eine Ergänzung im Akkusativ: Willi (Nominativ) liest ein Buch (Akkusativ). Doch auch Präpositionen fordern Kasus, aus fordert in folgendem Kontext z.B. den Dativ: Das Buch hat er aus der Bücherei (Dativ) geliehen. Daneben gibt es Ergänzungen, die durch Präpositionen angeschlossen werden, z.B. Willi freut sich auf das Wochenende. Welche Ergänzungen können durch Präpositionen angeschlossen werden? Und sind es dann kasusbestimmte Ergänzungen?

Bei kasusbestimmten Ergänzungen (vgl. Zimmermann, S.52) hängt der Kasus unmittelbar vom Verb ab: Das Verb geben fordert im Beispielsatz z.B. jeweils eine Ergänzung im Nominativ, Akkusativ und Dativ:

Willi (Nominativergänzung) gibt Karl (Dativergänzung) ein Buch (Akkusativergänzung).

Kasusbestimmte Ergänzungen werden nie durch Präpositionen angeschlossen. Wird eine Ergänzung durch eine Präposition angeschlossen, so hängt der Kasus von der jeweiligen Präposition und nicht vom Verb ab:

Willi freut sich auf das Wochenende.

Wochenende steht hier im Akkusativ, dieser hängt von der Präposition auf ab, nicht vom Verb (sich) freuen, dieses fordert keine Akkusativ-, sondern eine Präpositionalergänzung. Dass der Akkusativ hier nicht direkt vom Verb gefordert wird, kann recht einfach dadurch gezeigt werden, dass das Wochenende im Satz nicht alleine stehen kann: *Willi freut sich das Wochenende.

Wird eine Ergänzung mit einer Präposition angeschlossen, kann es sich nicht um eine Nominativ-, Genitiv-, Dativ- oder Akkusativergänzung handeln. Welche Ergänzungen können durch Präpositionen angeschlossen werden? Schauen wir uns dazu drei Beispielsätze an (vgl. hierzu Zimmermann, S. 52):

  1. Willi sitzt auf dem Stuhl.

Bei auf dem Stuhl handelt es sich um eine Adverbialergänzung: Die Ergänzung gibt einen Umstand an, im Beispielsatz gibt auf dem Stuhl einen Ort an, also einen lokalen Umstand. Adverbialergänzungen können daran erkannt werden, dass die Präposition bedeutungstragend ist, auf hat hier seine ursprüngliche lokale Bedeutung. Oft ist die Präposition in Adverbialergänzungen austauschbar: Willi sitzt auf/unter/neben/hinter dem Stuhl. Weitere Beispiele für Adverbialergänzungen, die als Präpositionalphrase realisiert sind, sind: Willi bringt die Kinder zur Schule./Willi wohnt in Würzburg./Willi stammt aus München. In allen Fällen haben die Präpositionen ihre ursprüngliche lokale Bedeutung.

  1. Willi freut sich auf das Wochenende.

Bei auf das Wochenende handelt es sich um eine Präpositionalergänzung: Die Präposition hat hier nicht ihre ursprüngliche lokale Bedeutung (man bewegt sich nicht auf das Wochenende zu, wenn man sich auf das Wochenende freut), sie ist auch nicht austauschbar: Otto freut sich auf/*unter/*neben/*hinter das Wochenende. Weitere Beispiele für Präpositionalergänzungen sind Willi ärgert sich über das schlechte Wetter./Willi kümmert sich um den Hund seiner Schwester./Willi staunt über die gute Note. In sämtlichen Beispielen haben die Präpositionen (hier über und um) nicht mehr ihre ursprüngliche Bedeutung.

  1. Willis Koffer ist aus Plastik.

Bei aus Plastik handelt es sich um eine Prädikativergänzung: Zwischen der Prädikativergänzung aus Plastik und der Nominativergänzung Willis Koffer besteht eine ist-Relation. Die ist-Relation zu einer anderen Ergänzung ist das bestimmende Merkmal für Prädikativergänzungen, die ist-Relation kann in anderen Kontexten verdeckt sein: Willi ernennt Karl zum Kassenwart. Hier ist zum Kassenwart eine Prädikativergänzung: Dadurch, dass Willi Karl zum Kassenwart ernennt, ist Karl der Kassenwart.

Diverse Ergänzungen können also durch Präpositionen angeschlossen werden, es sind aber nie die kasusbestimmten Nominativ-, Genitiv-, Dativ- oder Akkusativergänzungen.

Sind noch Fragen offen? Gibt es Anmerkungen? Lasst uns gerne einen Kommentar da!

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